Nein! Ich will aber nicht!
von Miriam Gass
Kennst du den Song „Rebell“?
Darin singt Bela B von den Ärzten in echtem Punkrock: „Ich bin dagegen, denn ihr seid dafür. Ich bin dagegen, egal, worum es geht. Ich bin dagegen, auch wenn es euch nicht schmeckt. Ich nenn es Freiheit, ihr nennt es Mangel an Respekt.“ Und: „Keiner hat das Recht mir zu befehlen, was ich zu tun hab. Wirklich niemand, einfach keiner. Das ist ganz allein meine freie Entscheidung.“
Protestenergie pur!
Die Wucht dieser Dagegen-Energie kennst du bestimmt auch, oder? Vielleicht zeigt sie sich besonders deutlich in deinem Teenie oder deinem Vorschulkind. Aber auch wenn dein Kind 10, 7, 4 oder 3 Jahre alt ist - diesem Widerstand gegen Zwang wirst du immer wieder begegnen. Ganz einfach weil wir ihn ALLE in uns tragen.
Besonders spürbar wird er immer dann, wenn der Druck größer ist als das Streben nach Nähe und der Wille zu folgen. Denn: Wer läßt sich schon gern herumkommandieren oder zu etwas zwingen?
Otto Rank - ein Schüler von Sigmund Freud - hat das als „Gegenwille-Instinkt“ bezeichnet. Ich mag die Bezeichnung, denn sie gibt mir ein Wort für etwas an die Hand, das ich immer wieder auch in mir spüre...
Dieser Instinkt des Gegenwille führt dazu, dass dein Kind
- sich sträubt und weigert
- störrisch und unkooperativ ist
- endlos diskutieren will
- und einfach das Gegenteil dessen tut, was von ihm erwartet wird.
Und wieso das Ganze?
Der Gegenwille ist dazu da, den noch unentwickelten, aufkeimenden Willen deines Kindes zu schützen. Und seinen Willen, den wird dein Kind später noch zu Genüge brauchen! Ebenso wie sein autonomes Ich mit dem eigenständigen Willen im Kern.
Der Gegenwille wird allerdings oft mißverstanden. Das führt manchmal dazu, dass wir den Druck weiter erhöhen. Den Gegenwille persönlich nehmen. Mehr herumkommandieren. Mehr „du musst“ und „du sollst" verwenden...
Bekanntermaßen funktioniert das nicht besonders gut. Druck erzeugt eben Gegendruck. Ganz egal ob es dabei ums Zähne putzen, Tisch abräumen oder um die Hausaufgaben geht.
Die gute Nachricht ist aber: Der Bindungsinstinkt ist stärker als der Gegenwille-Instinkt! Was also immer funktioniert ist: Bindung. Vor allem: Bindung vor Weisung. Also erstmal in Beziehung gehen, bevor du von deinem Kind etwas verlangst.
Eine richtig gute Möglichkeit ist auch, Routinen und Rituale zu etablieren. Und weniger explizit mit deinen Absichten und Weisungen zu sein.
Und natürlich auch: Spiel zu nutzen. Statt dein Kind zum dritten Mal aufzufordern, den Teller zur Spülmaschine zu bringen - versuchs mal mit: „Wetten, mein Teller ist zuerst in der Spülmaschine?“
Und klar - gibts keine Garantie, dass alles auf Anhieb funktioniert und der Gegenwille sich in Luft auflöst (soll er auch gar nicht 😉 ).
Aber ich versichere dir: In vielen Situationen bringt Bindung und Spiel den entscheidenden Dreh!
Dein Kind wird es dir danken.