Halloween – Die Nacht des Schreckens  

von Gail Carney

Halloween – diese Tradition berührt instinktiv etwas sehr Tiefes in unserer Psyche.

Es ist eine Zeit um über Angst zu sprechen.

Es kommt der Tag, an dem einem kleinen Kind plötzlich klar wird, dass denen, an die es am meisten gebunden ist, schlimme Dinge passieren könnten. Vielleicht hat es so etwas bereits einmal erlebt, zum Beispiel als Oma krank wurde. Oder das Kind ist vielleicht gerade in dem Alter, in dem es ein beunruhigendes Ereignis antizipieren kann.

Der Versuch, Kinder vor diesen Ängsten zu bewahren ist aussichtslos. Ebenso zwecklos ist es, sie mit der Irrationalität ihrer Ängste zu konfrontieren wenn diese phantasievolle Formen annehmen, wie im Falle der Angst vor Monstern unter dem Bett oder Spinnen.

Das Vorhandensein von Alarm bei unseren Kindern zeigt uns, dass ihnen etwas Angst macht. Wenn es die Furcht ist, dass zum Beispiel Mama oder Papa etwas Schreckliches passieren könnte, dann ist das zu viel, um es direkt zu betrachten. Die Quelle des Alarms taucht ab ins Unterbewusstsein und taucht als Gefühl von unbestimmter Unsicherheit auf. Es ist dieses vage Gefühl des Alarms, das die Vorstellungskraft anregt zu denken, dass im Schatten unheimliche und schaurige Dinge lauern. Sie werden dies vielleicht als die klassische Beschreibung von Angst erkennen, d.h. ein vages und doch durchdringendes Gefühl der Beunruhigung, ohne dass damit eine bestimmte Ursache verbunden ist.

Wie geht man also mit einer Angst um, die zu intensiv ist, als dass man ihr in ihrer rohen Form begegnen könnte?  Wir alle wollen, dass sich unsere Kinder so sicher und angstfrei wie möglich fühlen. Glücklicherweise muss man sich nicht mit der Irrationalität der Ängste eines Kindes auseinandersetzen oder gar die jeweilige Ursache ausfindig machen, um ihm beim Umgang mit dem Alarm-Gefühl helfen zu können.

Die Antwort ist das Spiel!

Das Spiel ist der Ort, an dem die Realität außer Kraft gesetzt wird, an dem Dinge ohne Konsequenzen geübt werden können (d.h. es können keine schlimmen Dinge passieren) und an dem die Rollen vertauscht werden können.

So stellt sich zunächst die Frage, welche Elemente von Halloween das Wesen der beängstigenden Dinge charakterisieren?

Die Maske - Neurologische Studien des emotionalen Gehirns zeigen, dass wir auf einen grimmigen oder wütenden Gesichtsausdruck mit instinktiven Stressreaktionen, d.h. der klassischen Kampf- oder Fluchtreaktion, reagieren. Selbst Säuglinge entwickeln im Alter von 6 bis 7 Monaten eine angeborene Sensibilität gegenüber Fremden und protestieren gegen deren Anwesenheit. In ähnlicher Weise löst ein Mangel an Wärme im Augenkontakt oder ein maskenhafter Gesichtsausdruck bei uns allen Alarm aus, unabhängig von unserem Alter.

Dann gibt es die Geräusche und Empfindungen, die eine primitive Reaktion auslösen. Die dunklen, lauten Geräusche, das unerwartete Kribbeln auf unserer Haut, das plötzliche oder unerwartete Erscheinen aus dem Nichts, belasten das Gehirn und veranlassen es, Warnsignale an das Bewusstsein zu senden.

Hinzu kommt der Anblick von Blut, von Wunden, von der Blässe und Kälte des Todes. Einige davon sind kulturell geprägt, aber die meisten sind primitiver Natur und gelten für alle Menschen gleichermaßen.

An Halloween erleben Kinder all diese Dinge in einem spielerischen Kontext - diejenigen, die sie kennen, werden durch das Tragen von Masken oder Kostümen zu Fremden. Sie wagen sich in der Dunkelheit zu gespenstisch anmutenden Häusern um an fremde Türen zu klopfen. Kinder können viel Spaß daran haben, diejenigen zu sein, die Angst bekommen, und sie spüren echten Nervenkitzel, wenn eine Gruselmaske abgenommen wird, und ein vertrautes Gesicht zum Vorschein kommt. Oder wenn sich die Tür des gespenstisch anmutenden Hauses öffnet und erfreute Bekannte darin warten, die  Leckereien verteilen und vielleicht so tun als würden sie sich vor ihnen gruseln.

Natürlich ist das Spiel mit der Angst eine riskante Angelegenheit. Es kann schnell zu viel sein, um es zu ertragen. Die Essenz der Erfahrung ist, dass selbst bei der Extravaganz des „Play-Acting“ (so tun als ob)  die Gewissheit bestehen muss, dass das Zuhause ein sicherer Ort ist.  Dies erfordert Sensibilität der Eltern für die Schwelle jedes Kindes. Wie weit können die Erziehenden gehen, um im Kontext der Sicherheit für einen Nervenkitzel zu sorgen OHNE zu weit zu gehen und so Alpträume zu entfachen.

Ich wünsche Ihnen allen eine großartige, spielerische und gespenstische Nacht!

 

 

Bildquelle: rawpixel auf 123RF

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