Über den uralten Tanz zwischen Eltern und Kind - und welche Rolle Nahrung dabei spielt

16/01/2024

von Miriam Gass

Ich geb’s zu: Wenn mein Sohn zufrieden das von mir zubereitete Essen isst - das macht was mit mir. Genau genommen macht mich das richtig glücklich! Dieses Glücksgefühl - ich spüre es irgendwo tief innen in meinem Bauchraum. Wie kann es sein, dass es mich so beglückt, mein Kind zufrieden essen zu sehen? Irgendwie vermittelt mir das sowas wie: Meine (kleine) Welt ist in Ordnung. Mein Kind nimmt meine Liebe und Fürsorge an. Ich kann als Mutter dafür sorgen, dass mein Kind satt und glücklich ist!

Wow. So basal.

Ich hab leicht reden: Mein Sohn hat immer schon (ok, bis auf wenige Ausnahmen ;-) voller Freude gegessen, was ich ihm angeboten habe. Er hat weder Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien. Noch irgendwelche anderen körperlichen Einschränkungen, die einem entspannten Essensgenuss entgegenstehen. Und ich weiß: Vielen Eltern geht das überhaupt nicht so. Für viele Eltern ist Essen ein unglaublich kompliziertes Thema mit ihren Kindern!

So geht es meiner Schwester mit ihrer Tochter -  meiner 6jährigen Nichte, ein hypersensitives Kind: Seit Monaten isst sie nichts anderes als weiches Weißbrot mit Butter. Wenn’s hochkommt Nudeln oder etwas Reis. Ihr Kommentar zu den allermeisten Speisen: Eklig!!! Sie snackt eher - und husch, ist sie auch schon wieder vom Esstisch verschwunden… Nicht gerade das, was wir normalerweise unter einem entspannten gemeinsamen Familienessen verstehen. Und etwas, das uns als Eltern an einer verwundbaren Stelle trifft. Denn: Es ist nunmal unser elterlicher Instinkt, dafür Sorge zu tragen, dass es unseren Kindern rundum gut geht. Und da spielt Nahrung eine ganz zentrale Rolle! Hakt es bei dem Fürsorge-Tanz zwischen Eltern und Kind kann das maximal frustrierend und alarmierend für alle Beteiligten sein! 

Damit dieser uralte Tanz aus Geben und Nehmen funktioniert, braucht es aber zweierlei:
Es braucht uns als die Nährenden UND ein Kind, das sich für unsere Fürsorge öffnet.
Ein Kind, das annimmt, was wir anbieten.

Wenn dein Kind - aus welchen Gründen auch immer - ein wählerischer Esser ist, dann braucht es einen Richtungswechsel. Hier kommen fünf richtig gute Möglichkeiten:

  • Versuche, deine Aufmerksamkeit auf die Eltern-Kind-Verbindung statt auf Schwierigkeiten zu legen
  • fokussiere auf Wärme, Freude und Genuss
  • bringe Spaß und Spiel zum Essen mit (Erzähle Geschichten oder Witze, teile das Schönste und Blödeste des Tages mit deinem Kind…)
  • verzichte auf Verhaltenskorrekturen und Disziplinierungsmaßnahmen beim Essen (ich weiß, leichter gesagt als getan…)
  • konzentriere dich mehr aufs Zusammensein mit deinem Kind als auf das was (wieviel und wie;-) dein Kind isst.

Du tust also gut daran, dich immer wieder auf das Wesentliche auszurichten: Die Eltern-Kind-Beziehung. Denn klar ist: Satt und Glücklich wird dein Kind vor allem durch liebevollen Kontakt und verlässliche Verbindung.

Und erst dann: Durch Essen.

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